Menschen im DaWeNa-HUB: Peter Hottum

Menschen im DaWeNa-HUB: Peter Hottum

Dekorativer Balgen für Kategorie 3

3 Fragen an Peter Hottum (SHAPE)

Mehr Zusammenarbeit zwischen Forschung, Unternehmen und öffentlichem Sektor ist Peter Hottums Mission. Als Geschäftsführer des Karlsruhe Digital Service Research & Innovation Hub (KSRI) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beschäftigt er sich mit Dienstleistungsforschung und Innovationstransfer. Im DaWeNa-HUB ist er Projektleiter von SHAPE, in dem fünf Forschungseinrichtungen an Konzepten für neue Ökosysteme arbeiten. Im Interview erklärt er, warum dafür digitale Plattformen nicht ausreichen und er sich als Brückenbauer sieht.

Warum bist du in die Forschung gegangen?
Als Wirtschaftsinformatiker habe ich schon während des Studiums viele Einblicke in große Unternehmen bekommen, ich war bei SAP, Daimler, Siemens oder IBM. Das war spannend, aber ich habe dabei auch gemerkt, dass klassische Konzernstrukturen nicht das sind, was mich langfristig reizt. Deshalb bin ich nach dem Studium in die Wissenschaft gegangen, mit dem Anspruch, dort Theorie und Praxis von Anfang an eng miteinander zu verbinden. Im Silicon Valley habe ich außerdem gesehen, wie eng Universitäten, Unternehmen und Start-ups zusammenarbeiten, wie schnell dort aus Ideen Praxis entstehen kann. Diese Offenheit und Geschwindigkeit haben mich beeindruckt.

Heute bin ich am KIT so etwas wie ein Brückenbauer, ich bringe unterschiedliche Perspektiven zusammen, mache Innovation anschlussfähig. Besonders spannend finde ich es, wenn verschiedene Disziplinen aufeinandertreffen. Denn dann entstehen oft neue Ideen, die jeder aus seiner einzelnen Logik so gar nicht entwickeln würde.

Darum geht es auch im Projekt SHAPE?
Im Projekt SHAPE beschäftige ich mich mit der Frage, wie datenbasierte Dienstleistungsinnovationen schneller und wirksamer in die Praxis kommen können – also wie man Ideen, Kompetenzen und passende Partner so zusammenbringt, dass daraus reale Umsetzung entsteht. Ob es ein mittelständisches Unternehmen, eine Stadtverwaltung oder ein Start-up ist, oft sind die Herausforderungen bei der Digitalisierung ähnlich. Viele Organisationen müssen sich verändern, aber oft fehlt ihnen ein klarer Einstieg: Wo anfangen, welche Kompetenzen fehlen, welche Partner braucht es und wie wird aus einem digitalen Potenzial ein tragfähiger nächster Schritt? Bei SHAPE sind wir fünf Forschungseinrichtungen: die Universitäten Erlangen-Nürnberg, Hamburg, Paderborn, das Forschungsinstitut für Rationalisierung e. V. an der RWTH Aachen und das KIT. Gemeinsam arbeiten wir an einem Konzept, das Akteuren aus der Praxis helfen soll, sich zu finden und zusammenzuarbeiten.
Das passiert bei uns nicht einfach über eine weitere digitale Plattform. Uns geht es stärker um aktivierende Formate, in denen Menschen, Themen und Anwendungsbedarfe zusammenkommen – zum Beispiel in unseren Masterclasses. Dort treffen sich Menschen aus verschiedenen Organisationen, die in kleinen Gruppen zusammenarbeiten, etwa zu KI, Geschäftsmodellen oder konkreten Anwendungsszenarien. Wichtig ist uns dabei, den Austausch zu fördern. Oft entstehen die wertvollsten Erkenntnisse nicht aus einem Vortrag allein, sondern dann, wenn sich Teilnehmende gegenseitig ihre Perspektiven erklären, Potenziale sichtbar machen und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln. SHAPE hat eine sehr enge Anbindung an das Deutsche Forum Dienstleistungsforschung (DF)2, das ist eine große, aktive Community aus Forschung, Unternehmen, Verbänden und Politik. Unsere Idee ist, unsere Inhalte dort einzubinden. SHAPE soll nicht mit dem Projektende aufhören, sondern in der Community weiterleben. Die Formate, zum Beispiel die Masterclasses, sollen nach Abschluss des Projektes von anderen aufgegriffen, angepasst und weitergeführt werden. So kann ein Netzwerk entstehen, das sich durch neue Kooperationen und geteilte Erfahrungen selbst weiterentwickelt. Wir setzen darauf, dass die Leute, die wir zusammenbringen, auch über das Projekt hinaus miteinander arbeiten.


Was siehst du aktuell als die größte Herausforderung für die Zukunft?
Ich glaube, wir stehen gerade an einem Punkt, an dem wir die Zukunft aktiv mitgestalten können. Digitalisierung ist kein Selbstläufer. Wenn ich schlechte Prozesse digitalisiere, habe ich danach einfach schlechte digitale Prozesse. Es geht nicht darum, Technologien einfach zu übernehmen, sondern bewusst zu entscheiden, wie wir sie einsetzen, in welchen Kontexten sie einen echten Mehrwert schaffen und welche Fähigkeiten und Beziehungen dabei erhalten oder neu aufgebaut werden müssen.

Gerade beim Thema KI zeigt sich dieses Problem deutlich. Ein Beispiel ist die Beratungsbranche: Früher kamen viele Juniorberater mit, die zum Beispiel Daten gesammelt haben. Dabei haben sie viel gelernt und konnten später Verantwortung übernehmen. Heute übernimmt KI viele dieser Junior-Aufgaben. Kurzfristig ist das effizient, langfristig stellt sich aber die Frage, wo der Nachwuchs herkommt und wie Wissen aufgebaut wird. Ein anderes Beispiel wäre ein Maschinenbauer: Wenn der seinen Vertrieb weitgehend automatisiert, verliert er möglicherweise den direkten Kontakt zu seinen Kunden und versteht irgendwann deren Bedürfnisse nicht mehr. Solche Effekte werden oft erst auf den zweiten Blick sichtbar.  Gerade deshalb brauchen wir Räume und Formate, in denen technologische Effizienz nicht isoliert, sondern zusammen mit Lernwegen, Verantwortung und langfristiger Innovationsfähigkeit betrachtet wird.

Ökosysteme werden dabei immer wichtiger: Netzwerke, in denen unterschiedliche Akteure zusammenarbeiten, voneinander lernen und dadurch verhindern, dass alle die gleichen Fehler machen. Die zentrale Aufgabe wird sein, diese Zusammenarbeit so zu gestalten, dass Chancen und Risiken früh sichtbar werden und aus Potenzialen tragfähige Innovations- und Entwicklungspfade entstehen.

Interview: Eva Meschede

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