Menschen im DaWeNa-HUB: Philipp Staudt

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Dekorativer Balgen für Kategorie 3

3 Fragen an Philipp Staudt (ÖPGV)

Prof. Dr. Philipp Staudt forscht an der Schnittstelle von Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Verwaltungspraxis. Nach Stationen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und als Juniorprofessor an der Universität Oldenburg ist er seit Februar Professor für Wirtschaftsinformatik am KIT. Ihn beschäftigt vor allem die Frage, wie Daten so zugänglich gemacht werden können, dass Menschen und Organisationen sie leichter und besser nutzen können. Mit dem Projekt ÖPGV (Öffentliche Plattformen zur erleichterten datenbasierten Zusammenarbeit von GovTechs und Verwaltung) will Staudt Kommunen dabei unterstützen, erstmals systematisch zu erfassen, welche Daten sie überhaupt besitzen und entsprechende Anwendungsfälle zu identifizieren. Warum dadurch digitale Innovationen in der öffentlichen Verwaltung flächendeckend möglich werden und warum motivierte Mitarbeitende dabei eine wichtige Rolle spielen, erklärt er im Interview.

Ein Schwerpunkt deiner Arbeit war lange der Energieverbrauch von Haushalten. Worum ging es da genau?
Wir haben digitale Werkzeuge entwickelt, mit denen Menschen besser verstehen können, wie viel Strom sie verbrauchen und wodurch. Wo kann ich sparen? Lohnt sich eine Wärmepumpe? Was bringt eine PV-Anlage? Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert und mich schon früh mit Nachhaltigkeit und Energiewende beschäftigt. Später kam Wirtschaftsmathematik dazu, viel Statistik und Modellierung. In meiner Promotion habe ich dann Energiewende und Digitalisierung zusammengedacht: Wie können Daten helfen, wo können sie schaden? Seitdem arbeite ich genau an dieser Schnittstelle aus Technologie, Organisation und Nachhaltigkeit. Dabei geht es immer auch um gutes Design: Es ist mir sehr wichtig, Informationen so aufzubereiten, dass sie verständlich sind und wirklich zu besseren Entscheidungen führen. Das wollen wir auch bei ÖPGV erreichen.

Mit der ÖPGV-Plattform wollt ihr Kommunen einen Überblick über ihre Daten verschaffen, um schließlich Vorgänge in der Verwaltung zu vereinfachen. Mit welchen Schwierigkeiten hattet ihr zu kämpfen?
Jede Kommune organisiert ihre Daten anders. Für junge GovTechs bedeutet das: Sie müssen jedes Mal bei Null anfangen, wenn sie digitale Lösungen anbieten wollen. Das ist teuer, zeitaufwendig und verhindert, dass gute Ideen flächendeckend eingesetzt werden. Nehmen wir zum Beispiel eine schlichte Hundesteuer-Anmeldung. Dafür gibt es je nach Kommune verschiedene Systeme: Formulare, Excel-Dateien, Softwarelösungen. Wenn ein GovTech-Unternehmen dafür einen zentralen benutzerfreundlichen Service bauen will, muss es mit jeder Kommune einzeln klären, wie und wo deren Daten erfasst sind und die eigene Lösung daran anpassen. Hier kommt unsere ÖPGV-Plattform ins Spiel. Kommunen legen jetzt dort einen Account an und geben an, welche Software sie nutzen. Unsere Plattform kennt deren Strukturen und macht daraus eine Dateninventur: Welche Daten sind vorhanden, wer ist dafür zuständig und welches Format haben sie. Dann wissen Kommunen und Govtechs sofort, ob die angebotene Lösung umsetzbar ist. Die Plattform ist bereits fertig und wird gerade mit Pilotkommunen getestet. In den nächsten Monaten sammeln wir Erfahrungen aus der Praxis. Ab dem dritten Quartal 2026 soll sie öffentlich und kostenlos nutzbar sein. Jetzt entwickeln wir noch drei Dinge dazu: Erstens rechtliche Leitlinien mit einer Datenschutzkanzlei, damit Kommunen wissen, was sie dürfen. Zweitens organisatorische Konzepte wie Workshops und Datenstrategien, die bei der Einführung helfen. Und drittens kleine Werkzeuge zur Datenaufbereitung, etwa um Excel-Daten einfach auszuwerten oder Dokumente mit KI zu durchsuchen, zum Beispiel für Nachhaltigkeitsberichte.

Für die Plattform seid ihr auf engagierte, an Technologie interessierte Mitarbeitende in den Kommunen angewiesen?
Oft hängt alles an einzelnen motivierten Personen. Wir sehen unsere Rolle darin, genau diese Leute zu unterstützen und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie trotz wenig Zeit viel erreichen können. Kommunen, die sich komplett verweigern, können wir nicht unterstützen. Aber für alle anderen wollen wir den Einstieg so leicht wie möglich machen. Wir haben viele Menschen direkt interviewt und nutzen Communitys wie das „Netzwerk Junge Bürgermeister:innen“, um unser Projekt bekannt zu machen.
Wichtig ist auch die Verwaltungskultur auf Innovationen vorzubereiten: Fehler vermeiden ist oft wichtiger, als Neues ausprobieren. Viele Mitarbeitende würden gerne innovativ arbeiten, haben aber Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Wenn wir ihnen sichere Werkzeuge und klare Regeln geben, können wir diese Blockade vielleicht lösen. Ich bin optimistisch, denn der Datensatz, der am Ende entsteht, ist extrem wertvoll. Er kann dazu beitragen, dass Vorgänge beschleunigt werden, die heute sehr kompliziert sind. Wenn Kommunen sehen, was andere geschafft haben, entsteht Motivation. Wir leisten damit einen echten Beitrag zur digitalen Verwaltung der Zukunft.

Interview: Eva Meschede

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