Menschen im DaWeNa-HUB: Hannes Rothe

Menschen im DaWeNa-HUB: Hannes Rothe

Dekorativer Balgen für Kategorie 3

3 Fragen an Hannes Rothe (EHDS4all)

Hannes Rothe bezeichnet sich als Gründungsprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Denn er leitet nicht nur den Lehrstuhl für „Nachhaltigkeit und Innovation in digitalen Ökosystemen“, sondern er begleitet im Inkubator „Place Beyond Bytes“ auch Start-ups von der Idee bis zur Ausgründung. Im HUB-Forschungsprojekt EHDS4all beschäftigt er sich mit dem Europäischen Gesundheitsdatenraum (European Health Data Space). Ein Gespräch über Datenschutz, Innovation und warum Gründen wichtig ist.

Was begeistert dich in deiner Arbeit?
Wenn Innovation für Menschen und Gesellschaft einen echten Unterschied macht. Und ich sehe heute viele Gründungen, die nicht aus Profitstreben, sondern aus einem Sinn heraus entstehen. Wenn man beobachtet, dass etwa eine Idee das Leben von Patient:innen, Unternehmen oder ganzen Branchen verbessert, ist das unglaublich motivierend. Ich bin sozusagen der Gründungsprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Mein Ziel ist, Studierende und Forschende in die Lage zu versetzen, aus Ideen echte Unternehmen zu machen. Dafür haben wir den Inkubator „Place Beyond Bytes“ aufgebaut. Mittlerweile habe ich viele tolle Gründungen begleitet: Bei Generio zum Beispiel wird KI benutzt, um aus Textbeschreibungen automatisch 3D-Modelle zu erzeugen, spannend für Gaming, Mode oder Produktdesign. Und Medirion entwickelt eine Technologie, mit der Hausärzt:innen rheumatische Arthritis frühzeitig erkennen können, bevor sie chronisch wird.
Beides zeigt: Innovation entsteht nicht nur in Großkonzernen, sondern oft dort, wo Forschende und Studierende mutig sind und etwas bewegen wollen.

Darum geht es auch im Projekt EHDS4all?
Unser Projekt EHDS4all will vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen, den neu entstehenden europäischen Datenraum zu nutzen, etwa für innovative Diagnoseverfahren oder Therapien. Unser Forschungsprojekt begleitet den Aufbau des European Health Data Space (EHDS). Ziel des EHDS ist es, Gesundheitsdaten in der EU künftig sicher, standardisiert und grenzüberschreitend nutzbar zu machen, sowohl für die medizinische Versorgung als auch für Forschung und Innovation. Die Idee: Künftig sollen Ärztinnen und Ärzte mit Zustimmung der Patient:innen überall in der EU auf deren Gesundheitsdaten zugreifen können. Wenn ich also in Italien behandelt werde, kann der Arzt dort sehen, welche Krankengeschichte ich in Deutschland habe. Wenn das erst einmal möglich ist, können Mittelständler hoffentlich bald personalisierte Medikamente und innovative Geräte entwickeln. Das ist noch Zukunftsmusik, aber jetzt geht es darum, die technischen und organisatorischen Strukturen zu schaffen.

Was ist die größte Herausforderung?
Rechtlich ist vieles noch im Fluss, etwa die manchmal strenge Auslegung von deutschem Datenschutz und der neuen Gesundheitsdatennutzungsverordnung. Das hat viel mit unserem besonderen Verhältnis zum Datenschutz zu tun. Aus historischen Gründen haben wir gelernt, den Staat auf Abstand zu halten, das ist richtig und wichtig. Nur darf man dabei nicht vergessen, dass Daten auch heilen können. Wenn andere Länder Gesundheitsdaten für Forschung und neue Therapien nutzen, wir aber nicht, geraten wir ins Hintertreffen. Ein Beispiel: In Finnland und Großbritannien gibt es riesige Genomdatenbanken, die helfen, Krebstherapien zu entwickeln. In Deutschland fehlen solche Daten noch. Das bedeutet, dass manche Medikamente vielleicht für finnische, aber nicht für deutsche Patient:innen optimiert sind. Datenschutz sollte ein Qualitätsmerkmal sein, aber Innovationen nicht verhindern. Die Frage ist: Wie nutzen wir Daten verantwortungsvoll. Das Spannende an EHDS4all ist, dass wir diese Balance praktisch erproben, im Zusammenspiel von Recht, Technik und Unternehmertum. Wir wollen zeigen, dass europäische Werte wie Datenschutz und Innovationsgeist zusammenpassen.

Interview: Eva Meschede

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