Koordinierungstreffen DaWeNa-HUB am 8. Oktober in Kassel

Koordinierungstreffen DaWeNa-HUB am 8. Oktober in Kassel

Dekorativer Balgen für Kategorie 3

Ökosysteme, Agenten und Transfer

Am 8. Oktober fand im Campus Center der Universität Kassel das Koordinierungstreffen des DaWeNa-HUBs statt. Zehn Projekte präsentierten ihre Fortschritte und nahmen an drei spannenden Workshops teil.

Die gemeinsame Mission war schnell klar: „Ziel ist, mindestens mit drei Leuten gesprochen zu haben, die man vorher nicht kannte“, fasste Marco Leimeister, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Kassel, in seiner Begrüßung die Aufgabe des Tages zusammen. Auch Forschungsgruppenleiter Mahei Li (Universität Kassel) bekräftigte: „The Name of the Game heißt: vernetzen! Nicht nur intern, sondern auch extern.“

Neue Netzwerke zu knüpfen, das war das Tagesziel im Koordinierungstreffen des DaWeNa-HUBs am 8. Oktober in Kassel, das im Rahmen der 20-jährigen Jubiläumsfeier der ITeG (Gesellschaftlich wünschenswerte IT-Gestaltung) stattfand. Die zehn Verbundprojekte des HUBs mit mehr als 70 Partnerinnen und Partnern aus Wissenschaft und Praxis kommen aus verschiedensten Branchen wie öffentlicher Verwaltung, Medizin, Tourismus, Maschinen- und Anlagenbau oder Bauwirtschaft. Sie alle entwickeln derzeit nachhaltige, datenbasierte Innovationen und trafen sich im Campus Center der Universität Kassel, um eine Zwischenbilanz ihrer Projekte zu präsentieren und sich über Gemeinsamkeiten auszutauschen. Die Projekte des HUBs sollen in einer Community zusammenwachsen, um sich bei Konzeption, Umsetzung und der nachhaltigen Verwertung der Ergebnisse in der Praxis gegenseitig zu unterstützen.

Mit einem kurzen Pitch beschrieben die Projekte den Fortschritt ihrer Arbeit, anschließend konnten die Teilnehmenden an einem von drei Workshops teilnehmen, die sich mit den zentralen Herausforderungen von Forschungsprojekten befassten: Transfer in ein Geschäftsmodell, Innovation im Ökosystem oder Agentic AI. Moderiert von Barbara Langes (ISF München) präsentierten die drei Workshop-Leitenden im Anschluss an die Hands-on Sessions ihre Ergebnisse: Stefan Rötzel sprach über erfolgreichen Transfer in ein Geschäftsmodell, Christoph Ziegler über Innovationen im Ökosystem und Eva Ritz über die Zukunftstechnologie Agentic AI.

Geschäftsmodell-Innovationen

Der Workshop von Stefan Rötzel drehte sich um die zentrale Frage, wie Ergebnisse aus Forschungsprojekten schließlich in die praktische Anwendung gelangen können. Als Leiter der Innovationsberatung in der Science Park Kassel GmbH, dem Innovations- und Gründungszentrum der Universität Kassel, unterstützt Rötzel Forschende, Gründende, Unternehmen und Teams dabei, neue Anwendungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Neben der technischen Leistungsfähigkeit und Validität von Prototypen sei vor allem entscheidend, ob die entwickelten Lösungen reale Bedarfe treffen, sagte Rötzel. Er plädierte dafür, mögliche Anwenderinnen und Anwender frühzeitig in die Validierung einzubeziehen.

Im Workshop wurde auch diskutiert, wie tragfähige Geschäftsmodelle entstehen können. Der Weg von der Idee zum marktfähigen Produkt sei häufig lang, und viele Projektteams benötigten dafür strukturelle Unterstützung. Zum Beispiel Maßnahmen zur Stärkung des unternehmerischen Know-hows durch Schulungen zur Geschäftsmodellentwicklung. Wichtig sei auch ein institutioneller Rahmen, der Anschlussfinanzierungen und Weiterbildung möglich macht. „Transfer ist kein Zufallsprodukt“, fasste Rötzel zusammen. „Er braucht Strukturen, Wissen und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.“

Innovation im Ökosystem

Im zweiten Workshop beleuchtete Christoph Ziegler vom Digitalen Innovationszentrum Karlsruhe (DIZ) die Frage, wie Projekte als Ökosysteme funktionieren können. Viele Teilnehmende wiesen darauf hin, dass Forschungsprojekte zwar wertvolle Kooperationen anstoßen, diese aber selten langfristig Bestand haben. „Wir wollen nachhaltige Ökosysteme, aber strukturell ist das schwierig“, fasste Ziegler zusammen. Forschende seien oft mit Promotionsarbeiten beschäftigt, Unternehmen hätten keine Ressourcen für Zusatzprojekte, und Fördermittel endeten abrupt mit dem Projektlaufzeitende.

Ziegler forderte ein proaktiveres Fördersystem, das den Übergang von Forschung zu Marktreife unterstützt. Statt einer „reaktiven Pipeline“, in der Projektteams selbst für Anschlussfinanzierungen sorgen müssen, brauche es Instrumente, die die Kooperationen gezielt weiterführen. Mit dem Appell, „gemeinsam neue Kuchen zu backen“ lud Ziegler dazu ein, eingefahrene Rollen und Systemlogik zu überwinden, um neue Formen gemeinsamer Wertschöpfung zu erproben – jenseits von Quartalszahlen und Dissertationen.

Transformation der Arbeit durch agentische KI

Im dritten Workshop von Eva Ritz, die im Bereich Client Engineering bei IBM arbeitet, stand die Frage im Mittelpunkt, was „agentische KI“ eigentlich ist und wie sie die Zukunft digitaler Arbeit verändert. Das Thema reichte von theoretischen Grundlagen bis zu praktischen Beispielen, etwa einer mit Agenten fast vollständig automatisierten HR-Abteilung in einem Schweizer Unternehmen. Die Teilnehmenden diskutierten Potenziale und Herausforderungen dieser Technologie: Wie lässt sich agentische KI gestalten, steuern und verantwortungsvoll einsetzen?

Ritz betonte, dass agentische KI weit über klassische Automatisierung hinausgehe: Sie könne verschiedene Anwendungsfälle miteinander verknüpfen, neue Geschäftsmodelle ermöglichen und bislang ungedachte Prozesse sichtbar machen. Der Workshop machte deutlich, dass das Thema erst am Anfang steht und enorme Gestaltungsspielräume eröffnet.

Nach einem Documenta-Walk zu wichtigen Kunstwerken der Stadt Kassel ging es in die Orangerie, wo der Tag feierlich ausklang — bei guten Getränken und Essen. Die perfekte Umgebung, um das Tagesziel zu erreichen: Vernetzen!

*Alle Projekte werden vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Förderrichtlinie „Entwicklung neuer digitaler Leistungen für datenorientierte Wertschöpfung“ (DigiLeistDAT) unterstützt

Text: Eva Meschede

Nach oben scrollen